Buchenwald in der Literatur

Berühmt geworden sind die Werke Jorge Sempruns, der 1943 nach Buchenwald deportiert wurde und bis zur Befreiung 1945 im Lager festgehalten wurde. Die Auflistung der Texte Sempruns zu Buchenwald erfolgt in der Reihenfolge des Erscheinens.

Semprun, Jorge: Die große Reise. Erste Auflage. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1981 (suhrkamp taschenbuch 744).

Semprun, Jorge: Was für ein schöner Sonntag! Erste Auflage. Frankfurt a.M.: Suhrkamp1984 (suhrkamp taschenbuch 972).

Semprun, Jorge: Schreiben oder Leben. Erste Auflage. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997 (suhrkamp taschenbuch 2727)

Semprun, Jorge: Der Tote mit meinem Namen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2002.

Jorge Semprun, Literaturnobelpreisträger, beschreibt in seinem ersten Roman zum Thema Buchenwald "Die große Reise" (erschienen 1964) die Fahrt des Ich-Erzählers nach Buchenwald, eingepfercht in einen Zugwaggon. Mit ihm reisen 119 Häftlinge, die aus Frankreich nach Buchenwald transportiert werden. Der Junge aus Semur, der den Erzähler auf dieser Fahrt begleitet und dem er von seinem Leben im Widerstand erzählt, wird nicht lebend in Buchenwald ankommen, er stirbt in den Armen des Spaniers, kurz vor dern Ankunft in Weimar. Noch wird eine Geschichte vom Glauben an menschliche Solidarität erzählt, eine Solidarität, die vom Erzähler vor allem in Hinblick auf die Politischen im Lager beschworen wird.

Wesentlich kritischer der Partei gegenüber zeigt sich das Werk Sempruns "Was für ein schöner Sonntag", in dem der Autor einen Sonntag in Buchenwald detailliert erzählt und parallel dazu die Wirklichkeit der russischen Straflager unter Stalin reflektiert. Semprun "evoziert ein raum-zeitlich weites Gespräch mit seiner Epoche, indem er immer wieder, von einem Sonntag im Lager Buchenwald ausgehend, nach den historischen und philosophischen Wurzeln totalitärer Strukturen fragt." (S,V,V, S. 49) Es empfiehlt sich zuerst "Die große Reise" zu lesen, "Was für ein schöner Sonntag" ist wesentlich komplexer.

"Schreiben oder Leben" legt den Fokus auf die Schilderung der Tage nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager, das weitere Sterben der Überlebenden, aber auch das Weiterleben.

In seinem jüngsten Buch zu Buchenwald "Der Tote mit meinem Namen" lüftet Semprun das Geheimnis, wie er in Buchenwald überleben konnte, obwohl die SS aufgrund einer Anfrage des Botschafters von Franco in Paris auf ihn aufmerksam geworden war. Der Text, der mit dem Satz "Wir haben den passenden Toten! schreit Kaminsky" beginnt, ist vielleicht Sempruns persönlichstes Werk, voll tiefer Menschlichkeit.

 

Als weitere zu empfehlende Werke der literarischen Verarbeitung speziell der Ereignisse in Buchenwald sollen genannt werden:

Fred Wander: Der siebente Brunnen. Göttingen: Wallstein Verlag, 2005.

Erich Maria Remarque: Der Funke Leben. 3. Auflage. Köln: Kiepenheuer&Witsch, 2002.

Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1995. (ideologiekritische Rezeption notwendig / "Mythos Buchenwald")

"Anhand der Rettung eines Kindes wird der von Kommunisten geführte Widerstand des Internationalen Lagerkomitees in Buchenwald geschildert. Der Roman - in über 30 Sprachen übersetzt - bestimmte in der DDR maßgeblich das Geschichtsbild des KZ Buchenwald und wurde vorrangig als Dokument verstanden." (S,S,V, S. 116)

Geve, Thomas: Geraubte Kindheit.

Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen. 19. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005.

Semprun, Jorge und Elie Wiesel: Schweigen ist unmöglich. Erste Auflage. Frankfurt a. M.: 1997.